Beratung digitale Bildung (BdB)

vbw-Studie „Digitale Bildung an bayerischen Schulen“

Mit der aktuellen Studie Digitale Bildung an bayerischen Schulen vor und während der Corona-Pandemie legt der Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie der LMU München sehr interessante Untersuchungsergebnisse zu verschiedenen Bereichen digital gestützten Lernens vor.

Da die Studie bereits vor Beginn der Pandemie einsetzt und die zum Teil rasanten Entwicklungen während der Phasen von Distanz- und Wechselunterricht begleitet, zieht sie eine erste Bilanz der Auswirkungen von Corona auf den Digitalisierungsprozess an bayerischen Schulen.

Hinsichtlich der medientechnischen Ausstattung zeigt die Studie, dass sich diese bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie durchaus verändert, dass jedoch zwischen 2017 und 2019 „noch kein fundamentaler Wandel stattgefunden hat“. Hier zeige sich vor Einsetzen der Pandemie eine klare Tendenz zu „Bring Your Own Device“ (BYOD). Hinsichtlich der medienbezogenen Kompetenzen falle auf, „dass die Lehrkräfte 2019 in deutlich höherem Maße digitale Medien im Unterricht einsetzen, als das noch 2017 der Fall war“ (Dig. Bildung, S. 1).

Diese Entwicklungstendenzen hätten sich infolge der pandemiebedingten Schulschließungen dann ganz massiv weiter verstärkt, da „der digitale Unterricht in dieser Zeit aufseiten aller Akteure – Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern – mit enormen Anstrengungen, Einsatz und Engagement ausgeweitet wurde“ (Dig. Bildung, S. 2). Zudem sei im Einsatz unterschiedlicher Lernaktivitäten beim schulischen Lernen zuhause eine deutliche didaktisch-methodische Verschiebung erkennbar: „Vielleicht zum ersten Mal handeln viele Schülerinnen und Schüler in hohem Maße aktiv und selbstgesteuert beim Lernen mit digitalen Medien. Darin werden sie unterstützt von den Lehrkräften, die beim digitalen Unterricht seit März 2020 zunehmend von einer präsentations-und darbietungsorientier-ten Mediennutzung zur stärkeren Aktivierung der Schülerinnen und Schüler übergingen.“ (Dig. Bildung, S. 2).

So stellt Prof. Dr. Frank Fischer bei seiner Vorstellung der Studienergebnisse am 17. März 2021 den bayerischen Lehrkräften ein überwiegend positives Zeugnis aus, allerdings bestehe „in manchen Bereichen noch ein Korrektur-und Nachsteuerungsbedarf“ und es dürfe auch „eine in Bayern zwar relativ kleine, aber dennoch wichtige Gruppe an Schülerinnen und Schülern, die teilweise mit erheblichen Nachteilen beim digitalen Unterricht zuhause konfrontiert waren“, nicht übersehen werden (Dig. Bildung, S. 2).

Als Orientierungspunkte für die zukünftige Entwicklung werden auf Basis der Studienergebnisse schließlich zwölf konkrete Empfehlungen gegeben, in denen u. a. die Förderung digital gestützter sozial-kooperativer Methoden sowie die Entwicklung entsprechender Prüfungsformate angeregt wird:

  1. Eine robuste und flächendeckende digitale Grundausstattung der Schulen mit Endgerä-ten und digitaler Infrastruktur ist für einen anspruchsvollen Einsatz digitaler Medien auch im Präsenzunterricht vonnöten; dementsprechend sollte ihr weiterer Ausbau forciert und ihre Nachhaltigkeit sowie Weiterentwicklung gesichert werden.
  2. Die Qualifizierung der Lehrkräfte für ihre Aufgaben in einer digitalen Schule sollte über alle Phasen der Lehrerbildung hinweg noch systematischer verankert werden. Ansätze dazu sind in der ersten Phase des Lehramtsstudiums bereits vollzogen; jetzt geht es darum, den entsprechenden Akteuren der Lehrerbildung an den Universitäten die dazu notwendigen Ressourcen nachhaltig bereitzustellen.
  3. Die Verankerung der digitalen Bildung in der zweiten Phase der Lehrerbildung (Refe-rendariat) sollte sich auch in der entsprechenden Prüfungsordnung (LPO II) als einem maßgeblichen Instrument der Output-Steuerung niederschlagen.
  4. Die medienbezogene Qualifizierung der Lehrkräfte sollte auf unterschiedliche Szenarien (Präsenzunterricht, Blended Learning, Distanzunterricht) abgestimmt werden.
  5. Die Lehrkräfte benötigen eine noch besser auf die Anforderungen einer „digitalen Didaktik“ zugeschnittene Qualifizierung, die Schülerinnen und Schüler eine noch bessere Qualifizierung für das selbstgesteuerte Lernen mit digitalen Medien.
  6. Die Lehrkräfte sollten systematisch auch für solche Anforderungen in einem digitalen Unterricht qualifiziert werden, dieüber die Planung und Durchführung von Unterricht hinausgehen und die Reflexion und Begründung von Unterricht, die systematische Diagnose, Evaluation und den kollegialen Austausch digitaler Lernangebote umfassen.
  7. Die digitale Bildung sollte nicht nur als fächerübergreifende Bildungs-und Erziehungsaufgabe, sondern auch systematisch und möglichst einheitlich in den Fachlehrplänen der unterschiedlichen Schularten verankert werden.
  8. Die Etablierung innovativer und für den Kompetenzerwerb nachweislich besonders lernförderlicher Unterrichtsformen sollte durch entsprechende Prüfungsformate unterstützt werden.
  9. Die soziale Interaktion und Integration im digital gestützten Unterricht sollte über die gezielte Schaffung von digitalen Begegnungs-und Sozialräumen sowie durch sozial-kooperative digitale Lernformate gestärkt werden.
  10. Elternhäuser und Schulen sollten dabei unterstützt werden, sich nicht nur als Erziehungspartner, sondern auch als Lernpartner zu verstehen und diese Lernpartner-schaft systematisch – und im Alltag machbar – auszugestalten.
  11. Im digitalen Unterricht können sich soziale Benachteiligungen aufgrund der medien-technischen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lernsituation zu-hause einstellen und verschärfen; diese Benachteiligungen sollten gezielt ausgeglichen werden.
  12. Bereits heute kann die Nutzung der Digitaltechnologien dazu beitragen, die Schülerin-nen und Schüler individuell beim Lernen, die Lehrkräfte gezielt beim Lehren zu unter-stützen; die damit verbundenen Möglichkeiten werden sich durch neu entwickelte Technologien auf der Basis künstlicher Intelligenz (KI) in naher Zukunft noch enorm erweitern und an Leistungsfähigkeit gewinnen; diese Entwicklung sollte gezielt zur Entwicklung von schulischen Lernräumen der Zukunft genutzt werden.
    (Dig. Bildung, S. 3 f.)

Quelle: Digitale Bildung an bayerischen Schulen vor und während der Corona-Pandemie – Online verfügbar über: https://display.vbw-bayern.de/